Viele Paare, die ein Kind bekommen möchten, warten sehr lange mit dem Aufsuchen einer Kinderwunschklinik. Woran liegt es, dass Kinderwunschkliniken meist erst aufgesucht werden, wenn „der Hut schon brennt“?

Bei vielen Paaren wird das Thema verdrängt, insbesondere oft von den Männern. Dabei ist gerade die männliche Abklärung sehr einfach und rasch durchzuführen. Dazukommt, dass sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen von Subfertilität betroffen sein können. In den letzten Jahren sehen wir allerdings einen Paradigmenwechsel, insbesondere jüngere Paare kommen immer rascher direkt zu uns. Dies ist ein großer Fortschritt, da eine rasche Abklärung beider Partner die Erfolgschancen wesentlich erhöht.

Es gibt verschiedene künstliche Befruchtungsformen. Wann ist IVF sinnvoll? Wann wird ICSI bevorzugt?

Die IVF (In-Vitro-Fertilisation) ist die klassische Form der künstlichen Befruchtung und wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Samen des Mannes normal befruchtungsfähig ist, jedoch z. B. eine Eileiterproblematik oder eine Hormonstörung der Frau vorliegt. Die ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion), bei der das Eindringen der Spermien in die Eizelle unterstützt wird, ist das Mittel der Wahl insbesondere bei eingeschränktem Samenbefund.

Das Einnisten der befruchteten Eizelle wird durch sogenanntes „assisted hatching“ unterstützt. Wann wird das angewendet? Welche Möglichkeiten und Risiken birgt das?

Das „assisted hatching“ ist nichts anderes als eine Schlüpfhilfe für den Embryo. Speziell beim Einsatz von eingefrorenen Embryos bzw. beim Auftauen dieser bringt diese Technik Vorteile. Weiters wird diese Unterstützung immer dann eingesetzt, wenn zu erwarten ist, dass der Embryo das Schlüpfen aus seiner Hülle nicht selbst schaffen könnte.

Wie hoch sind die Kosten für eine Behandlung und wer übernimmt sie?

Die Kosten variieren von wenigen hundert Euro einer Insemination bis zu drei- bis viertausend Euro für eine künstliche Befruchtung, wobei der IVF Fonds für die meisten Paare zwei Drittel der Kosten trägt. Damit ist das Thema auch finanziell durchaus bewältigbar. Österreich zählt zweifellos zu den kostengünstigsten IVF-Ländern Europas und bietet gleichzeitig überdurchschnittliche Erfolgsraten.