Ihr sitzt hier als Familie gemeinsam in eurem NENI. Würdet ihr sagen, Familie ist euer Markenzeichen? Oder anders gefragt: Wofür steht die Familie Molcho?

NURIEL: Wenn man das Ganze umdreht und fragt wofür steht NENI, dann ist es ganz klar Familie. Denn NENI steht für die Anfangsbuchstaben von uns Brüdern: Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan. Wir sind sehr familienbezogen und familiengebunden – in der Arbeit und privat.

ELIOR: Wir sind ein Familienbetrieb, unser Markenzeichen ist Familie und mit unseren Restaurants wollen wir für jeden Gast eine familiäre Atmosphäre schaffen.

HAYA: Unsere Restaurants und die Familie sind nicht einfach so aus dem Nichts entstanden. Bereits in der Erziehung unserer Kinder hatte für meinen Mann Samy und mich der Zusammenhalt immer Priorität. Wir haben uns nicht so viele Gedanken gemacht, wie gut oder schlecht die Jungs in der Schule sind, sondern wie wir eine Familie bilden. Wir haben immer alles gemeinsam gemacht und fahren auch heute noch einmal im Jahr zusammen auf Urlaub.

Das heißt, Familienzusammenhalt ist für euch ganz wichtig. Aber was versteht ihr eigentlich darunter?

ELIOR: Zusammenhalt bedeutet für uns, dass man sich gerade in schwierigen Situationen aufeinander verlassen kann – als Geschäftspartner und als Familie.

HAYA: Samy hat einmal ein schönes Zitat gesagt: Familie ist wie ein Tempel – du kommst dorthin, um zu weinen und zu lachen, mit deinen Sorgen und mit deiner Freude. Wir sind füreinander da, egal was passiert. Familie ist für mich die Basis des Lebens.

Wenn man als Familie gleichzeitig auch unternehmerisch erfolgreich ist: Könnt ihr Berufliches und Privates trennen oder wollt ihr das vielleicht gar nicht?

ILAN: Arbeit ist ein riesiger Teil des Lebens. Wenn man das nicht mit purer Leidenschaft macht, kann man nicht glücklich leben. Arbeit und Privates zu trennen, geht bei uns gar nicht. Wir geben wirklich alles und das mit Freude! Wir bemühen uns aber schon, nicht immer nur über die Arbeit zu reden – gerade wenn unser Vater, der Pantomime, und unser jüngster Bruder, der Schauspieler, dabei sind. Dann reden wir eben über deren Arbeit! (lacht)

HAYA: Die Künstler der Familie reden eben nur über Kunst! (lacht)

Jeder von euch ist für einen anderen Unternehmensbereich verantwortlich – wie schafft ihr es hier, die Balance zwischen euren starken Charakteren zu halten?

NURIEL: Niemand wurde je in eine Sparte gezwungen. Wir haben uns selbst unsere Positionen ausgesucht. Mich haben Bildsprache und Ästhetik immer am meisten interessiert, weswegen ich Marketing, PR und Branding übernommen habe. Elior kann toll mit Menschen und hat deshalb die Human Ressources Leitung inne. Ilan ist für die Finanzen zuständig und Haya ist eine leidenschaftliche Köchin!

ILAN: Wir kennen die Stärken und Schwächen einer Person und können daher als Geschäftspartner auch offen miteinander umgehen. Wir haben unsere eigenen Verantwortungsbereiche und treffen aber trotzdem große und wichtige Entscheidungen immer gemeinsam.

NURIEL: Wir sind wie eine Demokratie und niemand hat alleinig das Oberwort!

Harmonie versus intensive Diskussion: Wie würdet ihr euch selbst als Familie einordnen?

HAYA: Intensiv! Ich würde uns als mediterrane Familie bezeichnen!

ILAN: Ein sympathisches Chaos! Es kann bei Diskussionen schon chaotisch zugehen, aber am Ende ist immer Sympathie da

Also ihr wisst auch genau, wie die anderen ticken?!

HAYA: Aber natürlich! Wir wissen, wie wir miteinander reden müssen. Das ist Diplomatie! Samy und ich haben die Jungs unterschiedlich erzogen. Als Erstgeborener war Nuriel immer schon verantwortungsbewusst und hat sich um seine Brüder gekümmert. Elior hingegen war in der Mitte und hat eventuell bewusst auf etwas verzichtet oder sich zurückgenommen, damit die anderen mehr haben.

Ilan war derjenige, der sich am meisten behaupten musste. Er wollte schon früh all das machen, was seine Brüder bereits konnten. Er war immer herausgefordert und wollte alles wissen. Und Nadiv, der Jüngste, war am unkompliziertesten und hält als unglaublicher Familienmensch uns alle zusammen.

NENI steht für Weltküche: Seht ihr euch auch als Weltbürger?

NURIEL: Ja, wir sind Weltbürger …

HAYA: … und Weltenbummler! Unsere Kinder waren immer mit uns mit unterwegs, etwa wenn Samy auf Tournee war. Mutter, Vater, Kind – das ist alles ein Topf! Wir lieben Reisen, Menschen und natürlich Essen – unser Beruf ist also perfekt für uns!

ILAN: Das israelische Essen selbst ist ja auch wie ein Melting Pot, eine Fusionsküche eben. Einwanderer aus der ganzen Welt haben die Küche ihrer Mütter mit nach Israel gebracht und mit Zutaten aus dem Orient kombiniert. Unsere Küche ist automatisch multikulturell – und unsere Wurzeln sind es auch.

Eigentlich fast so wie bei „Wiener Wurzeln“?!

HAYA: Ja, genau! Deshalb fühlen wir uns auch so wohl in Wien! Es steht unserer Mentalität sehr nahe. Gerade hier am Naschmarkt, das ist wie unser zweites Zuhause!

ILAN: Apropos zweites Zuhause: Viele Freunde fragen uns auch, ob wir nicht ein Restaurant in Tel Aviv aufmachen möchten. Aber Tel Aviv ist kein Arbeitsplatz für uns, dort relaxen wir und genießen Zeit mit unserer Familie.

Ihr verbindet mit eurer Küche nicht nur Weltregionen, sondern auch Menschen. Wie ist das, wenn die ganze Familie Molcho an einem Tisch sitzt?

HAYA: Nur die Familie? Die Jungs bringen doch immer Freunde mit! (lacht)

NURIEL: Das Essen ist immer groß und wir teilen alles. Es ist selten, dass jeder nur seine eigene Speise isst.

ILAN: Nuriel ist der Lustigste beim Essen. Er sagt zwar immer, dass er nicht so einen großen Hunger habe, aber alle wissen, dass er von allen Speisen etwas essen wird! (lacht)

HAYA: Auch da sind die Jungs unterschiedlich. Elior wird immer fragen, ob jemand etwas kosten möchte.

ELIOR: Wobei ich eigentlich zu „konservativ“ für unseren Essensstil bin. Wir können nie irgendwo etwas „normal“ bestellen. Nuriel und Haya wollen immer alles mit allem kombinieren. Und ich drehe da immer durch! Vielleicht bin ich da zu österreichisch! (lacht)

Kocht ihr auch gemeinsam oder ist das ganz Hayas Metier?

ELIOR: Das ist ganz Hayas Metier. Man hat ja auch Hemmungen, wenn man so eine Starköchin als Mutter hat!

HAYA: Ach, Blödsinn!

ELIOR: Aber ich habe jetzt mehr und mehr angefangen, auch selber zu kochen. Und wir organisieren in unserer Kochschule ja auch Kochkurse.

Ihr steht für ein sympathisches Chaos von kulinarischen Vorlieben, aber gibt es dennoch ein  All-Time-Classic Familien-Lieblingsgericht?

HAYA: Eindeutig Hummus! Ich sage immer, ich habe meine Burschen nicht gestillt, ich habe ihnen schon Hummus gegeben. (lacht) Das war damals schon gesund, also waren wir sehr früh sehr trendy! Aber es muss natürlich ein guter Hummus sein. Wir sind ja mittlerweile  Hummus-Experten geworden!

ELIOR: Wir sind wahre Connaisseure!

NURIEL: Also sind wir Hummusseure!

HAYA: Das ist ein guter Name!