Warum haben Sie sich für die künstliche Befruchtung entschieden?

Durch den Gang in die Kinderwunschklinik sparen wir uns die Stiefkindadoption, die mehrere Monate lang dauern kann. Bei der künstlichen Befruchtung gibt es von Beginn an automatisch zwei rechtliche Elternteile. Für uns ist das sehr wichtig. Auch, dass wir uns nicht vor Behörden rechtfertigen müssen.

Was waren die ersten Schritte auf dem Weg dorthin?

Nachdem wir privat recherchiert hatten, ließen wir uns in einer Beratungsstelle die unterschiedlichen Möglichkeiten mit allen Vor- und Nachteilen erklären. Danach wurden mehrere Kliniken genannt und wir entschieden uns für eine. Nach rund vier Monaten wurde ein erster Versuch der Samenübertragung gestartet. Aktuell warten wir darauf, einen Schwangerschaftstest machen zu können.

Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert?

Das Ganze nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Mit so vielen Klinikbesuchen haben wir nicht gerechnet. Aber wir fühlen uns sehr gut betreut.

Inwiefern wirkt sich die aktuelle Situation auf Ihre Beziehung aus?

Die erhöhte Zwillingswahrscheinlichkeit ist einerseits eine schöne Vorstellung, aber gleichzeitig auch beängstigend. Darüber hinaus haben wir bemerkt, dass wir uns manchmal so verhalten, als wäre die Schwangerschaft bereits eingetreten. Wir passen auf, was gegessen wird, wer von uns schwere Dinge hebt und entwickeln einen Beschützerinstinkt.

Welche Reaktionen erhalten Sie von Familie und Freunden?

Wir haben uns im Frühjahr verpartnern lassen. Zu diesem Anlass haben wir uns finanzielle Unterstützung für die Babyplanung gewünscht. Unser soziales Umfeld weiß also Bescheid, dass wir einen Kinderwunsch haben und diesem aktiv nachgehen. Generell sind Familie und Freunde begeistert und wir erhalten klare Befürwortungen.

Ihnen steht eine spannende Zeit bevor. Sind Sie schon sehr aufgeregt?

Wir versuchen, realistisch zu denken. Trotzdem spielen die Gefühle oft verrückt. Sie liegen zwischen unfassbarer Freude und Panik. Aktuell wissen wir selbst oft nicht, wie es uns emotional gerade geht.

Welche Vorbereitung haben Sie bereits getroffen?

Wir haben genügend Platz und schon ein Babyzimmer reserviert. Vor kurzem gab es innerhalb der Familie Zuwachs. Deshalb haben wir das Glück, viele gebrauchte Babysachen für die Erstausstattung zu bekommen. Wir tauschen uns darüber aus, was uns wichtig ist. Auch über Erziehung und Werte sprechen wir sehr viel.

Stichwort Erziehung. Werden Sie Vater- und Mutterrollen definieren?

Studien über Regenbogenfamilien zeigen, dass es ein positiver Aspekt für Kinder ist, wenn sie ohne vorgefertigte Rollenmuster aufwachsen. Wir verdienen ungefähr gleich viel und werden uns die Karenz aufteilen. Uns ist wichtig, dass wir als Persönlichkeiten authentisch bleiben.

Aktuell steht die Vorfreude im Vordergrund. Bereitet Ihnen etwas Sorgen?

Wir sind gespannt, wie es mit der Ehe für alle weitergeht und ob unser Wunschkind als eheliches Kind das Licht der Welt erblicken darf.