Wann war denn die Hochzeit?

N: Wir haben in diesem Jahr am 8. Mai geheiratet. Ursprünglich sollte es ein großes Fest werden. Aber ganz kurzfristig haben wir uns anders entschieden und eine Vorflitterwoche in Miami gebucht, um anschließend in ganz kleinem Kreis ohne großen Aufwand einen wunderschönen Tag zu verbringen.

War es eine Hochzeit in Weiß?

M: Nein, wir trugen eine Art legere Hosenanzüge und baten auch den kleinen Kreis unserer Gäste, sich so zu kleiden, dass sie sich wohlfühlen. In der Bezirkshauptmannschaft fand eine kleine Zeremonie statt und Freunde und Familie empfingen uns mit einem Spalier und Sekt.

N: Marietta überraschte mich außerdem mit dem Auftritt einer befreundeten Sängerin, die „All of me“ von John Legend sang, während wir zusammen in den Konferenzsaal gingen. Wir haben schon beim Reinlaufen alle geweint.

Warum haben Sie sich für Nathalies als gemeinsamen Nachnamen entschieden?

M: Der Name hat eigentlich für uns beide keine besondere Rolle gespielt. Mein eigener Nachname ist mir nicht so wichtig und mit der Zeit haben wir uns eben auf Nathalies Nachnamen geeinigt. Nachträglich war das eine gute Entscheidung, weil Nathalie als Deutsche meinen Namen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gar nicht annehmen dürfte.

Hatte Ihre Eheschließung rationale Gründe hinsichtlich Ihres Kinderwunsches?

N: Der Hochzeitstermin hatte insofern mit unserem Kinderwunsch zu tun, als dass wir als Familie angesehen werden und diesen Tag mit Freunden und Familie so richtig feiern wollten, um anschließend endlich die Kinderplanung beginnen zu können.

Sie wollten ja nach der österreichischen Gesetzesnovelle im Februar 2015 in Bregenz die Insemination vornehmen lassen und hatten einen Termin im April dieses Jahres. Wie ist es Ihnen da ergangen?

M: Den Termin in Bregenz haben wir letztendlich nicht wahrgenommen, weil wir uns dort einfach nicht wohlgefühlt haben. Außerdem ist in Österreich zwar das Gesetz zur künstlichen Befruchtung lesbischer Frauen verabschiedet, aber es greift noch nicht, die Vorgehensweisen sind meistens noch nicht klar. Stattdessen waren wir also in der Kinderwunschklinik in München, fühlten uns dort unglaublich gut aufgehoben und hatten gleich beim ersten Versuch Erfolg, was äußerst selten ist.

Haben Sie jemals Hindernisse oder Widerstände gegen Ihre (privaten) Vorhaben zu spüren bekommen?

M: In unserem Bekanntenkreis ist eigentlich die Akzeptanz immer da. Arbeitskollegen äußerten sogar ihre Dankbarkeit, durch uns mit Homosexualität konfrontiert zu werden und dadurch Impulse zu Denkanstößen und neuen Ansichten zu bekommen. Unser Heiratswunsch stand nie zur Debatte, auch unser Kinderwunsch wurde nie kritisiert. Aber natürlich war unser Freundes- und Bekanntenkreis sehr interessiert, wie wir es bewerkstelligen würden und wie das Ganze abläuft.

Wünschen Sie sich diesbezüglich Änderungen in der österreichischen Politik?

N: Wir sind in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft und in erster Linie reicht das für mich. Die Rechte, die wir wollten, haben wir. Wir können beispielsweise im Krankheitsfall füreinander da sein. So können wir uns grad zu dritt später als Familie fühlen, auch wenn es rein rechtlich nicht der Fall ist. Ich finde auch, dass es an der Zeit ist, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare zu öffnen. Marietta kann im Moment für unser Kind kein Sorgerecht bekommen. Obwohl wir im selben Haushalt leben, gelte ich vor dem Gesetzgeber als alleinerziehende Mutter. Stößt mir etwas zu, käme unser Kind zum Jugendamt in Deutschland, weil Marietta in Österreich keine Stiefkindadoption durchführen darf, was in Deutschland beispielsweise bereits erlaubt ist. Das macht mich sehr unsicher, denn ich möchte unser Kind in guten Händen wissen.

Dachten Sie daran, deswegen nach Deutschland zu gehen?

N: Nein, wir müssten hauptwohnsitzlich in Deutschland leben, um von diesem Recht der Stiefkindadoption Gebrauch machen zu können, sind aber hier sehr gut integriert und verwurzelt. Also werden wir uns gegen Ende der Schwangerschaft mit den entsprechenden Ämtern in Verbindung setzen und nachhaken, wie weit es mit einer solchen Öffnung der Gesetzgebung ist.

Haben Sie vor, politisch aktiv zu werden?

N: Ich bin generell jemand, der versucht, mit allen Mitteln Rechte für mich und andere Homosexuelle voranzutreiben. Mittlerweile habe ich aber zusammen mit meiner Partnerin Verantwortung für ein drittes Leben und möchte dies nicht gefährden. Ich möchte nicht als Kämpferin dastehen und mein Kind dafür als Schutzschild herhalten lassen.

Gibt es eine Rollenverteilung in Ihrer Partnerschaft?

N: Nein, wir sind beide gerne Frau und lieben unseren Frauenkörper mit dem Unterschied, dass wir Frauenkörper eben auch begehren. Ich möchte keinesfalls wie ein Mann wirken, das widerspricht allem, was ich bin. Ich trage gern lange Haare und ich zeig auch gern Dekolleté.

Braucht ein Kind Ihrer Meinung nach männliche Bezugspersonen?

N: Unbedingt! Wir haben einen ziemlich großen Bekannten- und Freundeskreis, der zu einem nicht unerheblichen Anteil aus (heterosexuellen) Männern besteht. Da haben wir großes Ver- und Zutrauen, dass unser Kind genügend und schöne Kontakte und Beziehungen auch mit der Männerwelt haben wird.