Wolfgang Hufnagl
Gold- und Silberschmiedemeister, Innungsmeister Wien

Die Tradition der Eheringe lässt sich bis ins alte Ägypten nachverfolgen, da sogar in diesem Kulturkreis die Menschen ihre Partnerschaft mit etwas besiegeln wollten, das für alle erkennbar ist. Der Verlobungsring wird traditionsgemäß am linken Finger getragen, wobei bei der Eheschließung die Partner sich den Ring gegenseitig auf die rechte Hand stecken. Im alten Rom ging man von der linken Hand aus, da hier eine Arterie direkt zum Herzen führen soll und die Liebe bekräftigt.

Ein für mich als Schmuckdesigner und Goldschmied interessanter Moment ist, wenn sich zwei Menschen entschließen einen Ring für ihr weiteres gemeinsames Leben auszusuchen oder anfertigen zu lassen. Die individuellen Wünsche der beiden so aufeinander abzustimmen, dass beide mit diesem Zeichen ihrer Partnerschaft und Lebensbeziehung glücklich sind und dieses Zeichen auch nach außen tragen wollen, ist ein spannender und auch manchmal länger dauernder Prozess.

Auswahl der Eheringe

Von der ersten Kontaktaufnahme, über die Auswahl der Metallfarbe, über Skizzen und Modelle bis hin zum fertigen Ring spannt sich ein Bogen, den viele Paare nicht missen wollen. Die Individualität des Schmuckstückes ist vielen Paaren hierbei wichtig. Ob mit Gravuren, mit Fingerabdrücken oder speziellen
Edelsteinen besetzt, der Kreativität wird hierbei keine Grenzen gesetzt. Wir Goldschmiede versuchen auf alle Wünsche einzugehen und das wohl langlebigste Schmuckstück perfekt umzusetzen.

Der Wunsch vieler Paare beim Schmieden der Ringe dabei sein zu wollen, ob in aktiver oder passiver Rolle, ist für mich ein Zeichen dafür, welch besondere Rolle Schmuck im 21. Jahrhundert noch haben kann – ich kenne niemanden, der bei der Produktion seines neuen Smartphones dabei sein will.

Die neusten Trends

Der Trend zeigt, dass in letzter Zeit neben den üblichen Gelbund Weißgoldlegierungen andere Farbtöne ins Spiel kommen, zum Teil werden Metalle wie  Palladium und Titan eingesetzt, Platin ist nach wie vor ein gefragtes Edelmetall und in seinen Möglichkeiten der Verarbeitung einzigartig.

Der Brillantbesatz, vorwiegend bei den Damenringen, bietet die Möglichkeit ornamentale Motive einzubringen und die Möglichkeit am Computer Designs zu zeigen und zu verändern, was die Kommunikation zwischen Goldschmieden und Ehepaaren erleichtert. Die Farben, die uns im nächsten Jahr begleiten werden sind auf der einen Seite weiß – in Form von Weißgold, Titan, Palladium und Platin auf der anderen Seite starke Gelbtöne mit einem Stich ins orange
und die Palette der Rosétöne.

Verlobungsring und Morgengabe

Rund um das Kernthema des Brautschmucks finden wir aber noch andere Möglichkeiten uns mit Schmuck auseinanderzusetzen. Die Verlobung und das damit verbundene Schenken eines Verlobungsringes um das Eheversprechen zu untermauern, ist meist der erste Moment in dem sich Männer mit Schmuck auseinandersetzen. Der Trend geht „back to the roots“, ein Solitär, klassisch in einer Krappenfassung oder einer verwischten Fassung mit einem Brillanten, beginnend bei einem halben Karat. Dieser wird vorwiegend in Weißgold gefasst, da somit die Farbe des Brillanten auch besser zur Geltung kommt.

Auch die Morgengabe, die ja eigentlich als finanzielle Absicherung für die Braut galt, stellt traditionsgemäß ein Schmuckstück dar, das am Morgen nach der Hochzeit unter dem Kopfpolster der Braut platziert wird. Wobei sich hier der Zeitpunkt etwas geändert hat und man heutzutage die Morgengabe meist schon am Morgen der Hochzeit schenkt, somit kann die Braut das Schmuckstück auch am Tag der Trauung tragen.

Wir Goldschmiede empfinden es immer als besondere Herausforderung und Ehre Schmuck zu erzeugen, der eine Bedeutung hat und mit Menschen zu kommunizieren, die sich dieser Bedeutung bewusst sind.