Verhütung in den verschiedenen Lebensphasen

So bleibt es bei der Verhütungsberatung nicht bei einem einmaligen Termin bei der Frauenärztin, die Erfahrungen und die Zufriedenheit mit der Methode und die Lebenssituationen müssen regelmäßig erörtert und analysiert werden, um auf Veränderungen rechtzeitig reagieren zu können.

Um eine optimal angepasste Verhütung zu bekommen, bedarf es einer sehr guten Beratung durch eine Frauenärztin, die die Patientin lange und sehr gut kennt und auf ihre physischen Voraussetzungen und psychischen Veranlagungen gut eingehen kann.

Während in der Zeit der Ausbildung und am Anfang einer Karriere oft die Sicherheit einer Verhütungsmethode an allererster Stelle steht und wir dann aus einer Fülle von hormonellen und hormonfreien Kontrazeptiva auswählen können, ist die Phase vor der Familienplanung geprägt vom Wunsch nach einer hormonfreien und biologischen Methode. Das zukünftige Kind soll möglichst optimale Bedingungen vorfinden und die Sicherheit der Verhütung wird zweitrangig.

Am häufigsten kommen in Österreich noch immer die Kombinationspillen zur Anwendung, deren positive Effekte auf Haut und Zyklusstörungen als zusätzlichen Benefit genutzt werden. Wenn die Sicherheit an erster Stelle steht, entscheiden sich immer mehr junge Frauen für eine Langzeitmethode wie Spirale oder Implantat. Dabei ist das Risiko eines Anwenderfehlers deutlich kleiner, da die Frau nicht an die tägliche Einnahme denken muss.

Der Pearl-Index

Benannt nach dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879–1940), ist der Pearl-Index (PI) ein Maß für die Wirksamkeit bzw. Zuverlässigkeit von Methoden zur Empfängnisverhütung. Er gibt an, wie hoch der Anteil sexuell aktiver Frauen ist, die trotz Verwendung einer bestimmten Verhütungsmethode innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index ist, desto sicherer ist die Methode.

Vor der Schwangerschaft

Obwohl es medizinisch erwiesen ist, dass das Absetzten einer Pille auch erst kurz vor der geplanten Schwangerschaft erfolgen kann, möchten doch viele Patientinnen aus emotionalen Gründen schon einige Zeit zuvor auf Hormone verzichten.

Das Entfernen einer Spirale oder einer anderen intrauterin gelegenen Verhütung wie Verhütungskettchen oder IUB sollten allerdings geplant werden, sodass die Gebärmutterschleimhaut einmal abgeblutet und wieder aufgebaut werden kann. In dieser Zeit ist der Trend zur hormonfreien Verhütung deutlich erkennbar: Frauen bevorzugen hier Barrieremethoden wie Kondome und Diaphragma oder vertrauen auf die natürliche Familienplanung, nicht selten auch mit Hilfsmitteln wie computerisierten Zyklusthermometern oder Hormontests im Urin.

Nach der Schwangerschaft

Die Zeit nach der Geburt eines Kindes stellt für jede Frau einen Ausnahmesituation dar, und das nicht nur hormonell. Hier gilt es mit vielen neuen Situationen umzugehen und die Verhütung bekommt einen völlig neuen Aspekt.

Das Stillen des Babys ist für viele Frauen wieder sehr wichtig geworden. Sie genießen die enge Bindung mit dem Kind und den positiven Effekt auf den durch die Schwangerschaft veränderten Körper. Die Gewichtsabnahme wird durch das Stillen deutlich erleichtert.

Obwohl die hormonelle Verhütung mit einer Gestagenpille durchaus eine Möglichkeit zur Verhütung darstellt, verwenden Frauen in dieser Zeit auch häufig eine Barrieremethode. Einerseits wollen sie das Baby nicht durch Hormone belasten, andererseits wird auch der Abstand zwischen den Kindern nicht ganz so genau genommen.

Ist die Familienplanung abgeschlossen, kann auch schon kurz nach der Geburt eine Langzeitmethode, wie die Einlage einer Spirale (Hormon oder CU/Gold) oder eines Implantats, in Erwägung gezogen werden. Wir beobachten aber auch, dass zunehmend häufiger der Partner aktiv wird, sich für eine Vasektomie entscheidet und beide mit dieser Entscheidung auch sehr zufrieden sind. Sterilisationen, sowohl beim Mann als auch bei der Frau, müssen gut überlegt werden. Auch hier sind gute Beratung und der richtige Zeitpunkt entscheidend.