Vater, Mutter und zwei Kinder - für Österreicher sieht so Familie aus (Quelle: GGS). Idealerweise. Die Realität zeigt: 2013 lebten in Österreich 2.352.000 Familien, davon 949.000 ohne Kind (Quelle: Statistik Austria).
Neben der klassischen gibt es heutzutage Familien mit alleinerziehendem Elter oder sogenannte Patchwork-Familien, wo sich Partner und deren Kinder neu zusammentun. Alle haben sie eines gemeinsam: den Familienalltag. Und der ist in hektischen Zeiten wie diesen meist getaktet, mal schneller, mal langsamer. Dafür sorgen Termine wie Kindergarten, Schule, Sportverein und Job.
Die psychische Belastung von Groß und Klein wächst. Mitunter ist der Alltag so pflichtgefüllt, dass die Familie zerbricht. Rechtzeitige Therapie kann die Rettung sein.

Familienprobleme rechtzeitig erkennen

Schlägt der Stress hohe Wellen, erfasst er nach und nach die ganze Familie. Ausgetauscht werden im täglichen Trubel nur noch die nötigsten Informationen. Alle zusammen an einem Tisch – das ist die Ausnahme. Zeit für ein entspanntes Miteinander in Form von Reden, Halten, Lieben bleibt kaum. Die nötige Auszeit spart man termingedrungen. Man verliert einander buchstäblich aus den Augen. Man achtet weniger auf den anderen. Auf dessen Bedürfnisse. Dessen Stärken. Dessen Schwächen. Und mancher achtet gar weniger auf sich selbst.

Kurz: Die Familienbande schwächeln. Zunächst unmerklich. Dann folgen erste sichtbare Anzeichen der geschwächten Beziehungen innerhalb der Familie. Symptome, die Außenstehende, insbesondere geschulte, häufig eher wahrnehmen, als man selbst.

Kompetente Hilfe holen

Erfahrene Therapeuten erkennen gestörte Familienbande unter anderem an erschöpften und depressiven Eltern und Kindern sowie an Kindern, die körperlich oder verbal gewalttätig sind. Symptome, über die die meisten nicht gern sprechen. Schon gar nicht mit Außenstehenden.

Zuzugeben, dass das Familienleben außer Takt ist, Familienmitglieder darunter psychisch und/oder physisch leiden – das ist ein großer Schritt. Muss man sich dafür doch eingestehen, in der Familie zumindest teilweise gescheitert zu sein. Fehler gemacht zu haben. Das ist schwer. Doch wer – von allein oder dank der Familie nahestehenden Menschen - zu dieser Erkenntnis gelangt, sollte sie als Chance sehen. Als Chance, die Familie neu aufzustellen. Die verknoteten oder gerissenen Familienbande zu entwirren oder neu zu knüpfen.
Und dazu sollte man sich auch Hilfe holen!

Familienbeziehung gesund gestalten

Familientherapie gibt es als das Familienleben begleitend vor Ort oder als stationäre Behandlung. Sie bedient sich verschiedenster Methoden, beispielsweise systemischer Familientherapie, therapeutischer Gemeinschaft, emotionaler Körperpsychotherapie für Eltern, Kindertherapie oder Elter-Kind-Bindungstherapie.
Ziel der Intervention der Therapeuten in die Familienbande ist es, die Familienbeziehungen (wieder) gesund zu gestalten. Dazu gehören Teilziele wie:

 

 

die gegenseitige Wahrnehmung und Erreichbarkeit zu fördern

 

den Eltern und Kindern eine Erziehung zu ermöglichen, die auf einer guten Eltern-Kind-Beziehung fußt

 

die Ausdrucks- und Beantwortungsfähigkeit von Gefühlen und Bedürfnissen zu stärken

 

den Respekt vor Autonomie und Individualität zu wecken

 

jedem zu einem sicheren Bindungsverhalten zu verhelfen

 

 

Zufriedene Eltern = zufriedene Kinder

Familientherapie setzt oft bei den Eltern an. Erst wenn die sich selbst (wieder) lieben und wertschätzen, können sie eigene vor allem emotionale Bedürfnisse erkennen und lernen, sich in Beziehung zu anderen Erwachsenen entsprechend zu nähren (Stichwort: Emotionale Nachernährung).
Gelingt dies, werden die Eltern (wieder) erreichbar für das Kind. Sie können dessen Bedürfnisse (wieder) wahrnehmen und entsprechend beantworten. Die Familienbande werden so neu geknüpft und belastbar in beide Richtungen. Die Familie ist neu aufgestellt. Liebevolle und schützende Erziehung kann (wieder) stattfinden.

tipps

7 Ratschläge für eine gesunde Familienbande

 

In jeder Familie gibt‘s gute und schlechte Zeiten. Sind die Beziehungsbande der Familie angespannt, sollte man als Elter/n bewusst für Entspannung sorgen.

 

Schaffen Sie Familienrituale! Treffen Sie sich regelmäßig zum gemeinsamen Essen und/oder Reden am Familientisch.

Richten Sie einen Familienbriefkasten ein. Dort hinein kommen Zettel mit Themen, die besprochen werden sollen. Regelmäßig wird der Briefkasten geleert und gemeinsam ausgewertet. So gehen auch kleine Dinge im hektischen Familienalltag nicht unter.

Sorgen Sie bei mehreren Kindern für exklusive Momente, die Sie jeweils mit nur einem Kind in vertrauensvoller Atmosphäre verbringen. Nutzen Sie die Zweisamkeit für innigen Austausch.

Solche Exklusivzeiten sollten Sie auch für Ihren Partner reservieren. Und zwischendurch geben Sie Ihr Bestes, um die Beziehung trotz Stress am Laufen zu halten.

Schauen Sie Ihren Familienmitgliedern immer in die Augen, wenn Sie mit ihnen reden. Das schafft Nähe – auch über PC und Wäschekorb hinweg.

Nimmt der Stress überhand, ziehen Sie die Bremsleine: Sagen Sie alle Termine ab und machen Sie einen Nachmittag ganz in Familie!

Holen Sie bei Problemen, die Sie als Elter/n nicht alleine lösen können, professionelle Hilfe. Ihr Mut, sich dazu zu überwinden, wird sicher belohnt.