• Ingrid Korosec
  • Dr. Peter Kostelka
Ingrid Korosec Präsidentin des Österreichischen Seniorenrats; Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes © Foto: Lukas Beck/ Seniorenbund

Wir leben länger und wir leben länger gesünder. Erstmals in der Geschichte ist die Pension ein eigener Lebensabschnitt. Es gibt eine komplett neue Lebensphase in dem Alter von 60 bis 85, die wir genießen können: Wir sind aktiver, gesünder und reicher als die Generationen vor uns.

Die demographische Entwicklung stellt mit der starken Zunahme der Generation 60plus in den nächsten Jahrzehnten für unsere Gesellschaft Herausforderung und Chance gleichzeitig dar. Die Herausforderungen im Bereich der Finanzierung von Pensionen und Pflege stehen in der öffentlichen Diskussion im Vordergrund. Die enormen Chancen, die eine aktive, sich am gesellschaftlichen Leben beteiligende Generation 65plus bedeutet, werden noch viel zu wenig wahrgenommen.

Fast die Hälfte des Kaufkraftvolumens in Österreich liegt in unseren Händen. Unser Konsumverhalten entscheidet wesentlich über die Zukunft von Unternehmen mit. Wir schaffen Arbeit in der Produktion und im Dienstleistungssektor. Der demographische Wandel treibt also die Wirtschaft voran. Und wir sind politisch relevant: Die vergangenen Wahlen zeigten klar, dass die Generation 60plus wahlentscheidend ist. Und wir tragen wesentlich zum Funktionieren der Zivilgesellschaft bei: 55 Prozent der über 60-Jährigen leisten regelmäßig Freiwilligenarbeit.

Wir sind also ein wesentlicher wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Faktor. Zukunftsstrategien, in denen die ältere Generation ausschließlich als Kostenfaktor gesehen wird, sind nicht mehr zulässig und gehen an der allgemeinen gesellschaftlichen Realität vorbei.

Wir haben daher die Möglichkeit, wesentlichen Einfluss auf unsere eigene Zukunft, aber auch auf jene unserer Kinder und Enkelkinder zu nehmen. Unser Wissen und unsere Lebenserfahrung bilden dafür wesentliche Voraussetzungen, gleichzeitig müssen wir auch offen sein für Neues – Digitalisierung und Automatisierung des Alltags sind Themen, mit denen wir uns beschäftigen sollten.

Hinter vielen von uns liegt bereits ein intensives Leben, machen wir uns jetzt auf in eine spannende, interessante und aktive Zukunft!

Dr. Peter Kostelka Präsident des Österreichischen Seniorenrats; Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs © Foto: Lukas Beck

Als Präsident der größten Seniorenvereinigung Österreichs liegt mir an jeder Initiative, an jeder Kampagne, die zum Ziel hat, Menschen der Generationen 60plus ein aktives Altern zu ermöglichen, sehr viel. Auch wenn wir im Pensionistenverband Österreichs mit seinen fast 400.000 Mitgliedern in rund 1.700 Gemeinden in Österreich auf den Gebieten Freizeitgestaltung, Sport, Reisen, Bildung und Kultur einen großen Beitrag für einen in jeder Hinsicht niederschwelligen Zugang zu aktivem Altern in Österreich leisten, ist mir bewusst, dass wir nicht alle Interessen abdecken können.

Jedes zusätzliche Angebot trägt mit dazu bei, einer der größten Gefahren des Alters entgegenzuwirken: der Vereinsamung. Sinnstiftende Aktivität fördert soziale Kontakte, schafft Gemeinschaft und leistet damit einen unschätzbaren Beitrag zum geistigen, psychischen und physischen Wohlbefinden im Alter. Vereinsamung dagegen macht krank. Es liegt in der Verantwortung – und auch im Interesse – der gesamten Gesellschaft, Angebote zu schaffen, die der Alterseinsamkeit vorbeugen.

Diesen Angeboten sollten – wollen sie erfolgreich sein – zwei Voraussetzungen zugrunde liegen: Sie müssen in jeder Hinsicht leicht zugänglich sein und sie dürfen nicht zu einer Ghettobildung führen. SeniorInnen wollen teilhaben an der Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt, wollen Zugang erhalten zu all den heutigen Möglichkeiten, die die modernen Technologien vor allem auf dem Gebiet der Kommunikation bieten.

SeniorInnen sind schon heute eine wesentliche Gruppe in unserer Gesellschaft. Mit dem Erreichen des Pensionsalters der sogenannten „Baby-Boomer-Generation“ wird diese Gruppe in den kommenden Jahren noch erheblich bedeutender werden: als Pool an Wissen und Erfahrung, als gestalterische Kraft, als Wirtschaftsfaktor, als relevante Größe in der demokratischen Willensbildung.

Das ist eine große Chance für alle, die sich ernsthaft mit den Bedürfnissen der Generationen 60plus auseinandersetzen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein erfülltes Leben und lade Sie herzlich ein, die vielfältigen Angebote aktiv zu nutzen.